Bier ist nicht gleich Bier

Jedes Bier hat seinen eigenen Charakter und seine Geschichte. Biere unterscheiden sich im Alkoholgehalt, durch den Einsatz der Malze, die Auswahl der Hefe, die Hopfenzugabe, die Art der Gärung oder durch Lagerzeit und Filtration. Wir stellen die wichtigsten Bierstile in Bayern vor.

Quellen: Bayerischer Brauerbund, Verband der privaten Brauereien Bayerns

Hel­les

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Dieser Biertyp hat sich in den Nachkriegsjahren in Bayern zur wichtigen Biersorte entwickelt. Im Geschmack ist eine mittlere Vollmundigkeit anzutreffen, malzige Aromakomponenten können den Biertyp bestimmen. Die Bittere ist deutlich weniger ausgeprägt als beim Pils.

 

Stammwürze: 11 bis 12 %

Alkoholgehalt: 4,5 bis 5 Vol%.

 

Dunkles

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Dunkle Biere werden untergärig gebraut. Aroma und Farbe werden durch dunkle Malze erzeugt. Geruch und Geschmack werden dominiert durch das Malzaroma, je nach Bier sind häufig auch sehr deutlich Schokoladen-, Röst- oder Broteindrücke wahrnehmbar. Die süßen Komponenten führen zu einem kräftigen Körper, es ist eine hohe Vollmundigkeit gegeben. 

Stammwürze: 11 bis 13 %

Alkoholgehalt: 4-5,5 Vol%.

Kel­ler­bier

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Kellerbiere sind unfiltrierte untergärige Biere, die direkt aus dem Lagerkeller, ohne Filtration, getrunken oder abgefüllt werden. Es gibt helles und dunkles Kellerbier oder ein stärker gehopftes Kellerpils. Gemeinsam ist in den Bieren, dass durch die Hefe- und Eiweißstoffe eine hohe Vollmundigkeit gegeben ist. In der Regel ist der Kohlensäuregehalt etwas niedriger.

Stammwürze: 11-13%

Alkoholgehalt: 4,5-5 Vol.%.

Wei­zen

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Ist die Unterscheidung in helles oder dunkles Weizen noch geläufig, kann man jedoch auch Kristallweizen und naturtrübes Hefeweizenbier am Markt finden. Als Spezialität belegte das Weizenbier oder Weißbier lange eine Nischenrolle, im 19. Jahrhundert setzte sich die Weizenmalzverwendung überregional durch – heute ist ein Anteil von mindestens 50 Prozent Weizenmalz vorgeschrieben. Durch die obergärige Hefe mit ihren höheren Gärtemperaturen entsteht im Gegensatz zur untergärigen Hefe ein wesentlich breiteres Spektrum an Aromastoffen. Das sind vor allem fruchtige Geruchs- und Geschmackseindrücke, die je nach Typ an Bananen, Zitrusfrüchte oder auch an Apfel oder Nelken erinnern.

Stammwürze: 11-13  (Weizenböcke: über 16%)

Alkoholgehalt: 5-5,5 Vol.% (Weizenböcke 6 -7,5 Vol.%.)

Pils

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Gebraut erstmalig 1862 im tschechischen Pilsen vom bayerischen Braumeister Josef Groll. Das Pilsbier trat danach seinen Siegeszug in Deutschland an und hat heute bundesweit einen Marktanteil von über 60 %. Geschmack und Geruch weisen feine Hopfennoten auf, fruchtige oder malzige Aromakomponenten sind sehr im Hintergrund. Norddeutsche Pilsbiere haben meist eine kräftige, harte Bittere, während süddeutsche Pilsbiere eher eine abgerundete, weiche Bittere erkennen lassen. Die strohgelben bis goldfarbenen Biere sind blank und haben einen dichten Schaum.

 

 

Stammwürze: 11-12%

Alkoholgehalt: 4-5 Vol%.

Bock

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Bereits im 15. Jahrhundert wussten die Edelleute Starkbier zu schätzen und begannen insbesondere das aus der Brauerei in Einbeck zu importieren. Daraus wurde in den Jahren über "Ainpökisches Bier", "Ainpöck", das "Bockbier". Der Bierimport aus Einbeck war für Bayern über die weite Strecke kein billiger Spaß, weshalb die Münchner beschlossen am Platzl das „Braune Hofbräuhaus" zu betreiben, das war 1591. Bockbiere gibt es dunkel oder hell, auch obergärige Weizenböcke. Wenn auch die Geschmacksausprägungen je nach Typ (hell oder dunkel) sehr unterschiedlich sind, haben Bockbiere doch alle eine hohe Vollmundigkeit. Süße, teilweise weinige oder sherryähnliche Eindrücke begleiten malzige und karamellartige Aromakomponenten.

Stammwürzegehalt:über 16 % (Doppelbock über 18 %)

Rauch­bier

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Meist von dunkler Farbe – Kastanienbraun bis Kupferrot – schon im Duft begrüßt uns eine zarte bis kräftige Rauchnote. Oft geschmeidig im Antrunk werden die mit einem Rauchmalzanteil an der Schüttung hergestellten Raritäten zu einem Spektakel am Gaumen. Nicht jedermanns Sache – manche meinen, man müsste sich in das Rauchbier „eintrinken". Aber viele Bierfreunde lieben es. Die meisten Rauchbiere kommen aus Bamberg und Umgebung. Das Rauchbier hat seinen Namen vom traditionellen Mälzungsverfahren. Nach dem Einweichen und Keimen darrt der Mälzer die Gerstenkörner mit Heißluft, die durch ein offenes Feuer aus Buchenholz erzeugt wird. Dabei nimmt das Malz ein dezentes bis ausgeprägtes Raucharoma an.

Mär­zen

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Vor Erfindung der Kühlmaschine durch Carl Linde konnte im Sommer die Würze nicht gekühlt und damit nicht gebraut werden. Auch die sommerliche Brandgefahr in den Städten sorgte dafür, dass das Brauen im Sommer in vielen Regionen verboten war. Doch die Brauer wussten sich zu helfen. Sie brauten die letzten Sude im März stärker ein und gaben etwas mehr Hopfen dazu. Damit waren die Biere haltbarer und konnten in den Felsenkellern über den Sommer hinweg gelagert und getrunken werden. Märzenbiere sind im Farbspektrum zwischen dunklem Goldgelb bis hin zum Bersteinfarbenen. Es sind malzige und süße Aromen, die Biere sind trotz einer kräftigen Vollmundigkeit im Geschmack nicht zu „schwer" und bleiben leicht zu trinken.

Stammwürze: ca. 13 %

Alkoholgehalt: 5,5-6 Vol%.

Ex­port und Fest­bier

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Wollte man in früheren Zeiten Bier in ferne Regionen oder Länder transportieren, war dies eine langwierige Prozedur, die zudem ohne Kühlmöglichkeit der Bierqualität nicht immer zuträglich war. Also musste das Bier haltbarer gemacht werden, was man mit einem etwas höheren Alkoholgehalt und etwas mehr Hopfen erreichte – das war das Exportbier. Exportbiere sind strohfarbig bis hin zu einer Goldfärbung.

Festbiere sind meist etwas stärker, süffiger, goldiger, glänzender. Ein üppiger Schaum krönt festliche Biere. Sie schmecken elegant, vollmundig, edel, erfrischend süffig, mit einem leicht süßlichen Ausklang.

 

Stammwürze: 12-13 %

Alkoholgehalt: 5-6 Vol%

In­ter­na­tio­na­le Viel­falt

Bei großen Bierwettbewerben wie dem Europeen Beer Star werden Biere in über 50 Kategorien eingeteilt. Zudem gibt es immer mehr Spezialitäten. Da andere Biernationen wie Belgien und Großbritannien nicht an das Reinheitsgebot gebunden sind, wird hier mit weiteren Zutaten wie Früchten oder Kräutern experimentiert. Zu den bekannten internationalen Biersorten gehören das Ale (Bild) mit seinen zahlreichen Unterarten, Porter, Stout, Rotbier, Honigbier oder Belgisches Bier, das zu den sortenreichsten auf der Welt gehört.