Jeff Mai­sel im In­ter­view über Craft­bie­re

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Prost! Jeff Maisel mit einem seiner Craftbiere. (Foto: Brauerei Maisel)

Interview von Clemens Hagen

„Craftbiere sind für uns eine Angelegenheit des Herzens" - Das sagt Jeff Maisel, einer der bekanntesten Weißbier-Brauer in Bayern. Der 47-Jährige ist Brauer in vierter Generation und Geschäftsführer der Brauerei Gebr. Maisel in Bayreuth. Warum er auf Bier-Spezialitäten setzt, verrät er im Interview.

Herr Mai­sel, wie kommt ein frän­ki­scher Braue­rei-Be­sit­zer zu dem exo­ti­schen Vor­na­men Jeff?

Jeff Maisel: Meine Mutter Louise ist Amerikanerin. Sie kam Anfang der 60er Jahre als Lehrerin in die US-Garnison nach Bindbach bei Bayreuth. Mein Vater war damals mehr oder weniger der einzige Einheimische, der Englisch sprach. Vor ein paar Jahren haben sie Goldene Hochzeit gefeiert . . .

Hüb­sche Ge­schich­te. Dann haben Sie si­cher ein enges Ver­hält­nis zu Ame­ri­ka?

Absolut. Ein Teil meiner Familie lebt in South Carolina. Ich selbst habe drei Semester in den USA studiert.

War es für Sie immer klar, dass Sie den Fa­mi­li­en­be­trieb wei­ter­füh­ren wer­den?

Ja, das war's. Ich habe die Liebe zum Bier quasi mit der Muttermilch aufgesogen.

Gut, dass Sie nicht Bier statt Mut­ter­milch be­kom­men haben! Wie war denn Ihr be­ruf­li­cher Wer­de­gang?

Ich habe in Weihenstephan studiert, bin Diplom-Ingenieur für Brauwesen und Getränketechnologie. In der Brauerei habe ich, bevor ich 2000 in die Geschäftsführung ging, quasi alle Jobs gemacht – vom Ausfahren des Bieres bis zum Aufbau von Bierzelten.

Be­schrei­ben Sie Ihre Firma doch ein­mal kurz, bitte.

Wir sind eine 10 000-Hektoliter-Brauerei, haben 180 Angestellte und einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro im Jahr – ein mittelständischer Betrieb eben. Und wir sind Weißbierbrauer durch und durch.

Sie haben aber auch einen Fai­ble für Craft­bie­re. Wie kommt's?

Zuerst einmal ist es so, dass der Weißbiermarkt in Deutschland weitestgehend gesättigt ist. Er liegt bei rund zehn Millionen Hektolitern, was einem Anteil von knapp neun Prozent am Gesamtbiermarkt entspricht. Außerdem hat sich der Bierpreis hierzulande bei 9,90 Euro pro Kasten eingependelt. Da sind die Gewinnmargen für die Brauer nicht besonders groß, zumal auch noch ein brutaler Verdrängungswettbewerb herrscht.

Bei den Craft-Bie­ren ist das an­ders?

Bei Bierspezialitäten generell. Aber wir engagieren uns da nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil es wirklich eine Angelegenheit des Herzens ist. Für 2025 haben wir eine Vision: Craftbier ist eine feste Größe der deutschen und internationalen Bierlandschaft. Es zählen Geschmack, Vielfalt, Braukunst und Leidenschaft. Einer der maßgeblichen Wegbereiter der Craftbier-Bewegung sind „Maisel & Friends"...

...das sind die Craft­bier­brau­er von Mai­sel und be­freun­de­te Brau­er. Rich­tig?

Genau. Sie stellen eine Reihe charakterstarke Biere her, alle natürlich nach dem Reinheitsgebot gebraut, ein breites und experimentierfreudiges Sortiment mit ständig verfügbaren Spezialitäten, Monats- und Saisonbieren sowie Co-Brews und Experimentals. Erlaubt ist, was schmeckt, ob einmalig oder dauerhaft. Wir brauen – der Kunde entscheidet!

Um Ihre Bier­spe­zia­li­tä­ten ent­spre­chend prä­sen­tie­ren zu kön­nen, haben Sie eine ei­ge­ne Brau­werk­statt ge­baut. Was hat es damit auf sich?

Unsere Brauwerkstatt entsteht in den historischen Mauern unseres Stammhauses und wird die neue Heimat für „Maisel & Friends". Mit diesem Projekt wollen wir fränkische Braukultur erlebbar machen und handwerkliche Braukunst live zeigen. Die Brauwerkstatt wird Versuchsküche und Braustätte zugleich – das macht das neue 25-Hektoliter-Sudwerk möglich.

Auch im an­ge­schlos­se­nen Re­stau­rant sind die bei Ihnen Gäste will­kom­men, oder?

Natürlich! Im „Liebesbier", so heißt unsere Gaststätte, dreht sich alles um Handwerk, Bier, Craftbier und Bierkultur. Im Gastraum mit 280 Innenplätzen sitzt man mitten in der neuen Braustätte. An der Bar gibt's über 20 Biere vom Fass und 60 weitere aus der Flasche. Die Malzschroterei, Brennerei und die eigene Bäckerei runden das Ganze ab. Wie früher ist alles unter einem Dach – modern interpretiert als fränkische Braukultur 2.0 gewissermaßen.