Die Oberpfalz hat Zoiglbier
und wer es trinkt, wird schön wie wir,
bleibt adrett und macht was her,
so wie die Altneihauser Feierwehr.
Servus und bis bald,
im Oberpfälzer Wald. 

Norbert Neugirg

Der Kom­mun­brau­er: Nor­bert Neu­girg ist Zoigl­bot­schaf­ter

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Norbert Neugirg, Kommandant und Zoiglbier-Botschafter. (Fotos: Privat)

Von Franz Amberger

Eine Sonderstellung in der bayerischen Bierszene gebührt dem Oberpfälzer Zoigl. Um den Haustrunk der Kommunbrauer hat sich in den vergangenen Jahren ein wahrer Kult entwickelt. Als Wiege der Bewegung gilt der Schafferhof in Neuhaus, wo auch die Altneihauser Feierwehr-Kapelln zu Hause ist. Wir haben uns mit ihrem Kommandanten Norbert Neugirg verabredet, der als Zoiglbotschafter für seine Heimat tätig ist.

Besonders stolz ist Neuhaus auf sein Kommunbraurecht, das schon hundert Jahre vor dem Erlass des Reinheitsgebots 1516 bestanden hat. „Die Oberpfälzer sind halt einfach genetisch schneller", behauptet Neugirg. Kommunbrauhäuser sind im Mittelalter auch in vielen anderen Gegenden Bayerns entstanden. Aber im Unterschied zu den anderen haben es fünf Standorte in der nördlichen Oberpfalz verstanden, die Tradition bis auf den heutigen Tag zu bewahren – und mit neuem Leben zu erfüllen: Neuhaus (gegründet 1415), Windischeschenbach (1455), Falkenberg (1467), Mitterteich (1516) und Eslarn (1522). Um dieses Alleinstellungsmerkmal herauszuheben, haben sich die Kommunbrauer der fünf Orte zur „Schutzgemeinschaft Echter Zoigl vom Kommunbrauer" zusammengeschlossen. Da drängt sich die Frage auf: Was macht den Zoigl zum echten Zoigl?

"Un­ter­schie­de von Zoigl­wirt zu Zoigl­wirt"

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Der Zoiglstern an der Hauswand zeigt an, welcher Wirt geöffnet hat. (Foto: privat)

Nach Lesart der Oberpfälzer Traditionsbewahrer ist der Zoigl ein untergäriges Bier, das nach althergebrachter Weise gebraut wird. In der offenen Sudpfanne über einem Holzfeuer wird die Maische zuerst gekocht, dann gehopft und so als „Würze" noch einmal erhitzt. Dieser Sud kommt nun in große Behälter in den Keller des brauenden Bürgers, wo die Hefe ihre Arbeit verrichtet. Nach etwa zehn Tagen Gärungszeit muss das Zoiglbier noch mehrere Wochen ausreifen. Obwohl immer das gleiche Brauverfahren angewendet wird, schmeckt jeder Zoigl anders, denn jeder Brauer hat sein eigenes Rezept. Doch sogar bei ein und demselben Zoiglwirt kann es von Mal zu Mal Unterschiede geben.

Mit der Verleihung des Braurechts haben alle Hausbesitzer des Ortes das Recht erhalten, selbst Bier zu brauen und auszuschenken. Das Braurecht bleibt bis heute fest mit Haus und Grundstück verbunden. Und für den Unterhalt der Kommunbrauhäuser sind die „brauenden Bürger" verantwortlich. Dafür muss jedes Mitglied das sogenannte „Kesselgeld" zahlen.

Und noch ein Umstand macht den Oberpfälzer Zoigl zum echten Zoigl: die temporären Öffnungszeiten der Zoiglstuben. Weil immer nur eine, höchstens mal zwei am Ort gleichzeitig geöffnet haben, wird der Publikumsverkehr stark kanalisiert. Der Ausschank findet turnusmäßig nach einem festgelegten Kalender statt und wird durch den Aushang des Zoiglsterns oder eines Buschen am Hausgiebel angezeigt – daher auch der Name Zoigl. Zum Bier werden Spezialitäten wie Obatzda, Tellersulz und andere hausgemachte Brotzeiten kredenzt.

"Nicht immer waren die Zoigl­stu­ben so voll wie heute."

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Schafferhof-Wirt Reinhard Fütterer hat mit seinem Engagement andere Wirte angesteckt. (Foto: privat)

In den gemütlich eingerichteten Zoiglstuben geht es meist zu wie im ewigen Leben. Der Chamer Schriftsteller Bernhard Setzwein hat diese eigentümliche Welt einmal sehr treffend als Paralleluniversum beschrieben. Da sitzen auf engstem Raum Jung und Alt, Akademiker und einfache Leute, Einheimische, Zugereiste und Besucher aus den umliegenden Ortschaften zusammen und lassen sich Bier und Brotzeit schmecken. Unter Gleichgesinnten kommt man sehr schnell ins Gespräch. Zur Zoiglrunde gehört selbstredend das obligatorische „Du" am Tisch. Plätze reservieren geht gar nicht: Man setzt sich hin, wo gerade Platz ist.

Nicht immer waren die Zoiglstuben so voll wie heute. Erst mit dem Engagement von Reinhard Fütterer hat der Aufschwung begonnen. Vor gut 15 Jahren hat der gelernte Kaminkehrer den ruinösen Schafferhof in Neuhaus erworben, um das Anwesen nach und nach zu sanieren und „irgendwann einmal das darauf ruhende Brau- und Schankrecht zu nutzen". Doch die Idee hat rasch eine Eigendynamik entwickelt und so ist aus den Plänen für die Rente sehr schnell Realität geworden.

„Das hat sich so ergeben", sagt der Wirt völlig unaufgeregt. Für Norbert Neugirg indes steht fest, dass der Schafferhof den Zoigl auf ein neues Niveau gehoben und mit seinem Engagement die anderen Wirte angesteckt hat. Dass heute auch mittelständische und sogar große Brauereien auf den Zug aufspringen und ihr pasteurisiertes, unfiltriertes Bier als „Zoigl" vermarkten, sieht der Zoiglbotschafter zwiespältig.

Bei aller Freude über den Erfolg des Zoigls: Spätestens, wenn Dosenbier beim Discounter unter „Zoigl" firmiert, hört sich bei ihm der Spaß auf. Sehr zum Bedauern von Norbert Neugirg haben die Zoigl-Wirte es versäumt, ihr Produkt rechtzeitig schützen zu lassen. Genetik hin oder her: Zumindest in dieser Hinsicht waren die findigen Marketingleute der Großbrauereien schneller als die Oberpfälzer.