Zehn Fak­ten über Fas­ten­bie­re

(1) Bay­erns fünf­te Jah­res­zeit

Fastenstarkbier wird von Aschermittwoch bis Ostern ausgeschenkt, 2010 also von Mitte Februar bis Anfang April. Dann trifft sich das Volk zu zünftigen Festen. Und die Polit-Prominenz macht beim berühmten "Politiker-Derbleck´n" gute Miene zum spöttischen Bühnenspiel.

(2) Flüs­si­ges bricht Fas­ten nicht

Flüssiges bricht Fasten nicht, gilt in der katholischen Kirche. Als sie ein besonders süffiges, gehaltvolles Bier gebraut hatten, kamen vor Jahrhunderten einigen braven bayerischen Mönchen allerdings Zweifel. Ob dieser Göttertrunk noch unters Fastengebot fiele? Für alle Fälle schickten sie ein Fass nach Rom, damit der Papst probiere. Wochenlang durchgerüttelt, von eisiger Kälte und südlicher Sonne traktiert, kam der Sud völlig verdorben beim Heiligen Vater an. Dieser kostete, lobte die Zähigkeit seiner bayerischen Brüder und gab das Starkbier als Fastentrunk frei.

Von Aschermittwoch bis Ostern gibt es wieder Doppelbock. Warum sich Ordensleute nur mit flüssiger Nahrung stärken durfen, lesen Sie hier.

(3) Aaaah ... ator!

Fastenstarkbiere erkennt man an den klangvollen Namen, die allesamt auf "-ator" enden, z. B. Salvator, Animator, Bajuvator, Maximator, Triumphator, Delicator, Vitaminator ...

(4) Stark­bier-1x1

Bockbier ist ein Starkbier mit mindestens 16 Prozent Stammwürze und 6,5 Prozent Alkohol. Doppelbock (wie die bayerischen Fastenstarkbiere) enthält mindestens 18 Prozent Stammwürze und ca. 7,5 Prozent Alkohol, Eisbock fast 25 Prozent Stammwürze und mehr als 8 Prozent Alkohol.

(5) Je dunk­ler, desto ge­halt­vol­ler?

Falsch! Die Farbe sagt nichts über den Stammwürze- oder Alkoholgehalt aus. Es gibt helle und dunkle Bock- und Doppelbockbiere.

(6) Wer hat´s er­fun­den?

Ausnahmsweise nicht die Bayern. Das Bockbier stammt ursprünglich aus der niedersächsischen Stadt Einbeck. Das "Einpöckisch Bier" schmeckte den Bayern so gut, dass Herzog Wilhelm V. im 16. Jahrhundert seine Braumeister anwies, eigene Rezepturen zu entwickeln. Der Rest ist (Erfolgs-)Geschichte. Heute stammt die Hälfte der deutschen Starkbiere aus bayerischen Sudkesseln.

(7) Das stärks­te Star­ke

In einer kalten Winternacht ließ einst ein Kulmbacher Brauergeselle ein Fass mit Starkbier einfach im Brauereihof stehen. Das Bier gefror, die Fässer barsten, der Braumeister grollte. Zur Strafe ließ er seinen Gesellen von dem konzentrierten Gebräu im Kern des Eisblocks trinken, das aufgrund seines hohen Alkoholgehalts nicht gefroren war. Der Geselle nippte, staunte und nahm einen kräftigen Zug: Der Extrakt lief wunderbar kräftig, sämig und malzig durch seine Kehle. Der Eisbock war geboren! Bis heute gewinnen Brauer das "Bayerische G´frorne", indem sie dem Starkbier durch Ausfrieren Wasser entziehen. (siehe Bild: Büttnerverein Kulmbach bei der Eisbock-Verkostung)

(8) Die Biere für Lecker­mäu­ler

Malzbetonte Starkbiere harmonieren auch mit Süßspeisen wie Apfelkücherln oder Saisonfrüchten in Bierteig. Dazu passt z. B. eine Bockbier-Sabayonne, eine Schokoladen-Biersauce oder eine Bockbiersauce mit Kumquats. Raffinierte Bierdesserts: www.bayerisches-bier.de (Rubrik "Rezepte").

(9) Ober­gä­ri­ger Kraft-Stoff

Auch Weißbier gibt es in kraftvollen Varianten. Eines der bekanntesten Weizen-Doppelbockbiere ist der Aventinus. Seine Farbe: dunkler Rubin. Sein Aroma: würzig-schokoladig, mit einem Anklang an Banane und Rosinen. Der Geschmack: vollmundig-weich, mit einem Hauch von Karamell und einer leichten, feinen Bittere im Ausklang.

(10) Kraft des Sü­dens

Beim Starkbierausstoß gibt es in Bayern – ähnlich wie beim Weißbier – ein Süd-Nord-Gefälle. In Altbayern beträgt der Anteil der Starkbiere am Gesamtausstoß der Brauereien rund 1,5 Prozent, in Franken dagegen nur rund 0,6 Prozent.

Quelle: Bayerischer Brauerbund