Das Wirts­haus

Das Wirtshaus ist der Inbegriff bayerischer Gemütlichkeit und Lebensfreude. Im Mittelalter entwickelten sich die typisch bayerischen Tafernwirtschaften (vom lateinischen taverna = Hütte). Die Tafernwirte durften, anders als Gasthäuser, meist auch selbst backen, brauen und Schnaps brennen. Während die Bezeichnung in den meisten Regionen in Vergessenheit geriet, pflegen in Bayern noch viele Wirte die Taferntradition. So manche Kassettendecke, mancher Kachelofen in bayerischen Wirtshäusern wurde schon im 16. oder 17. Jahrhundert gesetzt.

>> Das älteste Wirtshaus der Welt steht in Eilsbrunn im Landkreis Regensburg

In der Gründerzeit, ab dem späten 19. Jahrhundert, blühte die Wirtshauskultur dann vollends auf. Alte Holzdecken und Dielenböden, geschnitzte Vertäfelungen, umlaufende Bänke, originale Wandmalereien, bleiverglaste, farbige Fenster und blank gescheuerte Holztische mit ihren Scharten und Zinken erzählen Geschichten vom Beisammensein und vom Genuss.

Heute wie einst wird im Wirtshaus Bier getrunken und herzhaft geschmaust, gekartelt (am Stammtisch), aufg´spielt (von der Musi), anbandelt (beim Tanz) und derbleckt (vom Hochzeitslader). Hier wird geratscht und räsoniert oder – typisch bayerisch – n behaglicher Eintracht und schweigend die Welt betrachtet. Regionale Initiativen bemühen sich, die Wirtshauskultur zu bewahren und zu fördern.