Braue­rei­en im Land­kreis Cham: Drei Her­zö­ge für Stams­rie­der Bier

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Der Fuhrpark der Schlossbrauerei in den 1960er Jahren. Ab 1978 hieß das Bier aus Stamsried

Von Alexander Laube

Die Geschichte des Stamsrieder Bieres reicht zurück bis ins Spätmittelalter. Der heutige Markt war eine Hofmark und somit berechtigt, eigenes Bier zu brauen, das in den Tafernen am Marktplatz und in den umliegenden Dörfern ausgeschenkt wurde. Noch heute, 500 Jahre nach der Einführung des bayerischen Reinheitsgebotes, haben die Stamsrieder ihr eigenes Bier, wenn auch nicht mehr im Ort gebraut. Bezüglich des Namens gibt es eine Warenzeicheneintragung für die Marke des Erfinders des ältesten Lebensmittelgesetzes der Welt, Herzog Wilhelm IV. von Bayern.

Urkundliche Nennungen über das Brauen in Stamsried gibt es bereits im Jahr 1675. Damals wurde braunes Bier für die beiden Hoftafernen der Hofmark und als Haustrunk für den Schlossherrn gesotten, weshalb die Brauerei schon immer zum Schloss Stamsried gehörte. Als die herrschaftlichen Güter samt Ökonomiegebäude zu Beginn des 19. Jahrhunderts an den Freistaat übergingen, wurde die Brauerei mehrmals verpachtet. Von 1816 bis 1822 führte das Bräuhaus ein Sebastian Schmidbauer, dann zwei Jahre die Brüder Johann und Michael Wutz, anschließend Mathias Hierl bis 1841. Als im Jahr 1844 Karl von Abel der neue Gutsbesitzer von Stamsried wurde, fiel ihm wohl auch das Bräuhaus zu und wurde Schlossbrauerei. Abel errichtete ein modernes Brauhaus auf dem Areal des Schlosses.

Brau­was­ser aus den Quel­len Stams­rieds

1927 ist eine Abel'sche Schlossbrauerei Zilger genannt, 1933 eine Schlossbrauerei Michael Koller. 1936 kam die Brauerei samt dem Fegershof an Wolfgang Hutzler. Bei ihm arbeitete Anton Eberl nach seiner Ausbildung in der Münchner Bierakademie Doemens als Braumeister. 1954 pachtete Eberl die Brauerei, kaufte sie 1965 und führte sie erfolgreich weiter.

Das Brauwasser kam von den Quellen um Stamsried, bis in die 1960er Jahre betrieb die Schlossbrauerei eine eigene Mälzerei. Helles und Märzen, Pils und Export sowie Festbier und heller Doppelbock wurden abgefüllt. Letzterer spielte auch bis 1991 die Hauptrolle bei den legendären Bockbierfesten im Stamsrieder Schloss, auch bezeichnet als der Oberpfälzer Nockherberg. An die 600 Gäste drängten sich in den Saal, der auch für Hochzeiten und Bälle rege Nutzung fand. Namhafte Politiker gaben sich die Ehre in Stamsried.

Einen bedeutenden Schritt ging das Familienunternehmen im Jahr 1978 nach umfangreichen Vorbereitungen. Praktisch über Nacht wechselte die Brauerei den Namen und firmierte fortan unter der Bezeichnung "Herzog". Zu damaliger Zeit gab es in Bayern über 100 Schlossbrauereien und Anton Eberl wollte sich von der Konkurrenz absetzen und so neu am Markt positionieren. Das Herzog-Bier kam Ende der 1970er Jahre aus einem der modernsten Gärkeller Bayerns. Zu Spitzenzeiten arbeiteten 40 Angestellte in der Brauerei.

Sozusagen als Taufpate fungierte Herzog Wilhelm IV. von Bayern, Erfinder des Reinheitsgebotes von 1516. Ein begehrtes Patent, doch dazu später mehr. Das Herzog-Bier setzte sich als Marke durch und hat sich bis heute erhalten. Eingebraut werden Lagerhell, Export und zur Fastenzeit der beliebte dunkle Bock. Bis 1991 betrieb die Familie Eberl die Brauerei am Schlossgelände. 2015 kamen die Gebäude samt Schloss an einen Privatmann aus Regensburg. Seitdem der Betrieb in Stamsried eingestellt wurde, wird das Herzog-Bier auswärts gebraut. Bis 2008 beim Späth-Bräu in Lohberg, seither in der Schlossbrauerei in Naabeck.

Drei Her­zö­ge als Marke in Fa­mi­li­en­be­sitz

Heuer, zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes, flatterten Anton Eberl junior, gelernter Braumeister, zahlreiche Anfragen ins Haus. Um die Marke Herzog ginge es. Da der Name bereits seit 1978 markenrechtlich geschützt ist, darf dieser nur für das Stamsrieder Bier verwendet werden. "Nur für das Jubiläumsjahr geb' ich den Herzog nicht her", gibt sich Eberl traditionsbewusst. Zum Jubiläum hat er sogar 500 limitierte Herzog-Biergläser fertigen lassen, die es im Stamsrieder Getränkemarkt zu jedem Kasten Herzog-Bier gab.

Übrigens sicherte die Familie auch die Wittelsbacher Herzöge Ernst und Maximilian, Errichter des Weißbiermonopols im 16. Jahrhundert, als Marke.