Ein Trumm vom Pa­ra­dies: Das Strau­bin­ger Gäu­bo­den­volks­fest

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Das Gäubodenvolksfest: Die elf Tage in August prägen den Rhythmus der Stadt. (Foto: Ulli Scharrer)

Von Monika Schneider-Stranninger

„Freitag auf d' Nacht" heißt ein gewohnt hinterkünftiges Gedicht des Straubingers Werner Jansen. „Sie hot se scho gwundert, dass er heit beim Kaffeetringa – 's erschtmoi in dem Jahr – net gfrogt hot, wo 's auf d' Nacht im Fernseher gibt. Bis ihra eigfoin is, Jessas, heit is ja Bierprob." Traditionsgemäß am zweiten Freitag im August beginnt das Gäubodenvolksfest. 2012 konnte es 200. Geburtstag feiern. Es lockt alljährlich bis zu 1,4 Millionen Besucher an. Und dass dabei dem Festbier eine besondere Rolle zukommt, braucht nicht eigens betont zu werden. 800 000 frischgezapfte Massen sind guter Durchschnitt.

Auf das 31-fache der Einwohnerzahl hat sich der alljährliche Ansturm der Volksfestgäste in der 46 000-Einwohner-Stadt eingependelt. 140 Schausteller nutzen jeden Zentimeter der 90 000 Quadratmeter großen Vergnügungsmeile am Hagen. Aus fast 700 Bewerbern kann und muss die Ausstellungs- und Veranstaltungs-GmbH alljährlich auswählen. Optimal ergänzt wird das Gäubodenvolksfest von der benachbarten Ostbayernschau. Auf weiteren 60 000 Quadratmetern zeigen dort bei freiem Eintritt 750 Aussteller Produkte und Dienstleistungen aus 23 Sparten.

Gastgeber sind traditionsgemäß sieben Festwirte, die in einem ausgefeilten Modus von fünf Brauereien beliefert werden. Die Zeltgrößen reichen von 900 bis über 5 000 Plätzen. 26 500 Sitzplätze stehen insgesamt zur Verfügung. In den sieben Zelten buhlen während elf tollen Tagen rund 100 Blaskapellen und Showbands um die Gunst des Publikums. Elf Tage Dauer ist Programm. In Straubing ist Fasching im August und das nicht nur, weil sich viele der 46 000 Straubinger Dirndl und Lederhose aus dem Schrank holen und Zugereisten den Eindruck von Bilderbuch-Bayern vermitteln.

Nichts prägt mehr den Rhythmus Straubings als diese elf Tage im August, die für die überwiegende Mehrheit (lärmgeplagte Anlieger ausgenommen) einhellig Heimatdichter Max Peinkofers zeitlos werbeträchtigen Slogan von 1927 beipflichten, das Volksfest sei „ein Trumm vom Paradies".

Arco, Erl, Karmeliten, Irlbacher Schlossbrauerei und Röhrl demonstrieren ihren Status „Volksfest-Lieferbrauerei" alljährlich mit repräsentativen Bierwagen, gezogen von bis zu 13 Kaltblütern, beim Auszug zum Festplatz am Hagen. 2014 gab es erstmals seit Jahrzehnten keinen einheitlichen Bierpreis, dem mahnenden Fingerzeig des Kartellamts geschuldet. Die Mass kostete mit marginalem Unterschied zwischen 8,70 und 8,75 Euro. Zum Vergleich: 1953 wurde die Festmass zum Preis von 1,50 Mark inklusive Bedienung zum ersten Mal in Glaskrügen ausgeschenkt. Und vom Volksfest 1959 wird berichtet, dass 2 050 Krüge verschwunden oder zu Bruch gegangen sind.

Eröffnet wird das alljährliche Spektakel im Gegensatz zum Münchner Oktoberfest nicht etwa durch das Anzapfen des ersten Fasses Bier, sondern mit einer Festrede eines Landes- oder Bundespolitikers, der sich für eine Reihe meist kostspieliger Wünsche der Stadtspitze wappnen muss. Im Jahr 1955 trug man dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Otto Höchtl an, das erste Fass Festbier anzuzapfen. Das Stadtoberhaupt lehnte den Münchner Brauch ab, und dabei ist es bis heute geblieben. Seine Begründung: „Trotz eifriger Suche habe man in der Gemeindeordnung keine Bestimmung gefunden, nach der es auch außerhalb Münchens zu den Pflichtaufgaben der Oberbürgermeister gehören würde, bei Volksbelustigungen das erste Fass Bier anzustechen." Immerhin gibt es Bier, während 1946 das erste Volksfest nach dem 2. Weltkrieg vom OB bei der Militärregierung als „people´s festival" mit „character of a carnival" angekündigt worden war. Es war „klein und ohne Bierausschank".

Info:

Wer neugierig geworden ist – Das Gäubodenvolksfest 2016 dauert vom 12. bis 22. August, die Ostbayernschau vom 13. bis 21. August 2016.