Hohe Stan­dards: Hop­fen ist ein Qua­li­täts­pro­dukt

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Bis Anfang der 1960er Jahre wurde der Hopfen per Hand gebrockt. (Foto: Harry Bruckmeier)

Von Harry Bruckmeier

Wer vor einigen Jahren im Zusammenhang mit Hopfen noch wie beim Wein von einem „Jahrgang" gesprochen hätte, der wäre für verrückt erklärt worden. Hopfen war über Jahrhunderte ein Naturprodukt mit begrenzter Lagerfähigkeit. Mit der Zeit verloren die grünen Dolden ihren Brauwert, spätestens nach einem Jahr brauchte der Braumeister dringend frischen Nachschub. Mittlerweile steht die Bierzutat in verarbeiteter Form als Extrakt oder Pellets zur Verfügung, umso mehr achten die Erzeuger auf höchste Qualitätsstandards.

„Qualität zu erzeugen ist unsere absolute Maxime", sagt Johann Pichlmaier, Präsident des Deutschen Hopfenpflanzerverbandes. Er und seine Berufskollegen haben in der jüngsten Vergangenheit eine Reihe von Initiativen ergriffen, um den Anforderungen der Brauereien gerecht zu werden. „Darauf können sich unsere Marktpartner und damit natürlich auch der Endverbraucher absolut verlassen", versichert Pichlmaier.

Um die segensreiche Wirkung des Hopfens weiß bereits Hildegard von Bingen. Zu ihren Lebzeiten im elften Jahrhundert beginnt der gezielte Anbau der Kletterstaude aus der Familie der Hanfgewächse. Zunächst als Wildhopfen in freier Natur geerntet, setzt sich der Hopfen allmählich als Kulturpflanze durch. Mit dem Reinheitsgebot des bayerischen Herzogs Wilhelm IV. von 1516 beginnt ihr Siegeszug.

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Heute wird die Hopfenernte von Maschinen erledigt. (Fotos: Bruckmeier) (Foto: Harry Bruckmeier)

Doch wer achtet auf die Qualität des Bierrohstoffs? Lange Zeit niemand, erst um 1538 ist in Spalt die Rede von einem Qualitätssiegel. Und es sollte noch einmal drei Jahrhunderte dauern, ehe in der Hallertau eine ähnlich wie in Franken gebräuchliche Kennzeichnung eingeführt wird. Als erste Gemeinde der Hallertau erwarb Wolnzach 1834 ein eigenes Hopfensiegel. Dem Beispiel folgten kurz danach Siegenburg und Au. 1846 war es in Pfaffenhofen so weit, 1847 in Mainburg. Von nun an gab es einen nachvollziehbaren Herkunftsnachweis für die Partien mit dem „Grünen Gold", die bald darauf schon auf Weltreise gingen.

Mit dem Herkunftssiegel allein war es aber nicht getan. Der Markt forderte mehr. „Wichtig war das Hopfenherkunftsgesetz von 1929, das bis heute ausstrahlt", erklärt Otmar Weingarten, der Geschäftsführer des Deutschen Hopfenpflanzerverbandes. Somit war eine befriedigende amtliche Regelung mit der Eingrenzung der Anbau- und Siegelbezirke gefunden, die nicht zu Unrecht als das „Grundgesetz der deutschen Hopfenwirtschaft" angesehen wird. „Mit der Herkunft war auch die Qualität verbunden", erläutert Weingarten die Idee, die dahinter steht.

In einem zusammenwachsenden Europa mit einem riesigen gemeinsamen Agrarmarkt reichte nach dem Zweiten Weltkrieg ein nationales Gesetz als Qualitätssicherung jedoch nicht mehr aus. Schließlich mussten die Anbaustandards in allen europäischen Ländern harmonisiert werden. In den 1970er Jahren folgte daher innerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) eine europäische Hopfenmarktordnung, die fortan eine Mindestqualität sicherstellte. Inzwischen ist die Hopfenzertifizierung in einer entsprechenden Verordnung EU-weit geregelt.

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Aus einem Rechteckballen wird eine Hopfenprobe entnommen, die dann im Rahmen der neutralen Qualitätsfeststellung genau untersucht wird. (Foto: Hopfenzupferverband)

Mit der Einführung der sogenannten neutralen Qualitätsfeststellung, die eine exakte Bonitierung des Rohhopfens ermöglicht, ist im Jahre 1993 der nächste Schritt unternommen worden. Die Hopfenwirtschaft hat sich auf gemeinsame Kriterien für die Organisation und Durchführung der Qualitätsuntersuchung durch das externe Agrolab geeinigt. „Das war schon ein richtiger Quantensprung damals", erinnert sich Johann Pichlmaier. Damit nicht genug, es ging auch um die Logistik. „Der Hopfen war einfach zu viel und zu lange unterwegs", kommt Johann Pichlmaier auf das grundlegende Problem zu sprechen. Außerdem waren die bis vor 20 Jahren noch üblichen Landballen für den Transport überaus unhandlich. Die Hopfenwirtschaft setzte wiederum auf einen gemeinsamen Weg und führte den genormten Rechteckballen ein. Ein Rechteckballen mit 170 Kilo Hopfen hat generell die Abmessungen 52 auf 74 Zentimeter auf 1,48 Meter. Das also ist seit Anfang der 2000er Jahre das Maß aller Dinge.

„Ich glaube, der Hopfen ist inzwischen das am besten untersuchte landwirtschaftliche Produkt", sagt Johann Pichlmaier, der natürlich um die gewaltigen Anforderungen im Lebensmittelbereich weiß. Otmar Weingarten fasst das so zusammen: „Das Reinheitsgebot in Kombination mit der EU-Zertifizierungsverordnung gewährleistet (...) für die Lebensmittelzutat Hopfen einen optimalen Schutz vor chemischen Zusätzen, gepaart mit Natürlichkeit und einer klar kontrollierten Rückverfolgbarkeit."

Him­mel der Bay­ern

100 Biere aus 40 Brauereien verspricht das Hallertauer Bierfestival in Attenkirchen, das vom 3. bis 5. Juni 2016 zum vierten Mal über die Bühne gehen wird. Die Großveranstaltung zeigt, welche Vielfalt die heimische Brauwirtschaft den Bierliebhabern zu bieten hat und welche Schmankerl es auf dem regionalen Markt gibt – alle gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot, versteht sich. Die vierte Auflage des Bierfestivals in der 2600 Seelen zählenden Gemeinde im Landkreis Freising sprengt alle Rekorde. Denn heuer legen sich die Veranstalter im Rahmen „500 Jahre bayerisches Reinheitsgebot" natürlich besonders ins Zeug. Rund 20 000 Besucher kamen im Vorjahr. Bei freiem Eintritt wird für die Gäste ein reichhaltiges Musikprogramm angeboten. Ihr Festival verstehen die Veranstalter als einen Beitrag zur Bierkultur in Bayern. „Die Brauereien haben längst erkannt, was wir in Attenkirchen für die Bierkultur auf die Beine stellen", betont Festival-Initiator Alexander Herzog. Fröhlich genießen, statt dumpfem Kampftrinken heißt dabei die Devise. Herzog: „Für viele Besucher ist das ein gänzlich neuer Zugang zum Bier: Vielfalt genießen!"