Äl­tes­tes Wirts­haus der Welt in Eils­brunn: Zeit­rei­se durch elf Ge­ne­ra­tio­nen Röhrl Bräu

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Seit 2006 führt das "Röhrlbräu" in Sinzing der „Röhrl Muk“ als elfter Bräu. Und auch die zwölfte Generation wächst bereits heran. (Foto: Franz Nopper)

Von Franz Nopper

Wie viele Bayerische Dörfer haben schon mit dem Wirtshaus die Seele verloren? Unabhängige Brauereigasthöfe, seit Generationen in Familienbesitz, niemandem einen jährlichen Mindestabsatz oder gar eine monatliche Pacht schuldig, das gibt es kaum mehr. In Eilsbrunn bei Sinzing ist die Welt dahingehend noch in Ordnung. In der Dorfmitte stehen sich das Wirtshaus und die Kirche wie eh und je gegenüber – sie sind die Dorfmitte - mindestens seit dem 30-jährigen Krieg, wohl aber schon viel länger.

Nach den Verwüstungen der Schwedeneinfälle blieb das Dorf über Jahre unbewohnt, alle Aufzeichnungen gingen verloren. Eine der ältesten Urkunden, die das Eilsbrunner Pfarramt also überhaupt besitzt, berichtet darüber, wie der im Jahr 1637 geborene Bierbrauer Andreas Röhrl die Wirtstochter in Eilsbrunn heiratete und so zum ersten „Röhrl Bräu" wurde. 1665 wurde das Wirtshaus wiedererrichtet, auf den alten Grundmauern. Der Bräu war zugleich Landwirt für die Pfarrherren und hatte das Recht zum Bierbrauen erworben. Seitdem grenzt es nahezu an ein Wunder, dass sich in jeder Generation nicht nur ein männlicher Nachfolger fand, sondern dass auch Können und Wissen erfolgreich weitergegeben wurden.

"Röhrl Muk" führt Wirts­haus in elf­ter Ge­ne­ra­ti­on

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Das Guinness-Buch der Rekorde bestätigt es mit einer Urkunde: In Eilsbrunn bei Sinzing steht das älteste Wirtshaus der Welt. (Foto: Franz Nopper)

Nicht ein einziges Mal seit über 350 Jahren war das Wirtshaus geschlossen, außer für Urlaub. Das ist Weltrekord, wie das Guinness Buch 2010 in einer Urkunde bestätigte. Auch wenn die Eilsbrunner Röhrls 1971 aufhörten, selbst zu brauen, die Tradition dauert fort. Allein die originale Gaststube aus dem 19. Jahrhundert ist ein Erlebnis; man meint tatsächlich zu spüren, wie die Kartenspieler früher ihr Blatt auf die Tische gedroschen haben und wie Bauern, Pfarrer und Jäger, Mägde und Knechte miteinander gelacht, geweint und gestritten haben.

Seit 2006 führt nun Johann Nepomuk VI, oder einfach der „Röhrl Muk" genannt, das Wirtshaus als elfter Bräu. Sein Bruder hat die Landwirtschaft übernommen. Und auch die zwölfte Generation wächst bereits heran. Über zehn Enkel zählen Paul und Martha Röhrl, die Eltern von Muk und seinen Geschwistern. „Dabei war es gar nicht klar, ob aus ihm ein Bräu wird, er war ja so ein Diskjockey", sagt Paul mit einem Augenzwinkern, als er seine Führung durch den denkmalgeschützten Gasthof beginnt.

Allerdings hätte er es sich schon als Schulbub mit seinem Bruder ausgemacht, wer Bauer wird und wer Bräu, wird der Muk später verraten. Und dass das Auflegen auch eine Form der Bewirtung ist, bei der es auf die unmittelbare Stimmung ankommt: „Dass die Leute zufrieden sind. Ob man es richtig macht, das merkt man ja gleich. Und um das geht's mir." Und zufrieden sind die Leute; der Röhrl Bräu mit seinem Biergarten ist im Sommer als Ausflugslokal und ganzjährig für Familienfeiern heiß begehrt. Damit der Muk seine Mitarbeiter – inzwischen 18 fest angestellte Bedienungen und Köche – auch im Winter halten kann, hat er eben erst den Brandl-Bräu in der Regensburger Ostengasse übernommen: „So gute Leute findet man nicht so schnell, da muss man sich halt was einfallen lassen." Als nächstes könnte sogar noch ein Übernachtungshaus in der alten Röhrl-Mälzerei von Eilsbrunn dazukommen, „aber das ist eher noch Zukunftsmusik".

Man­ches Hei­mat­mu­se­um könn­te da nei­disch wer­den

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Der Stammbaum der Familie Röhrl. (Foto: Franz Nopper)

Die Führung durch die Vergangenheit im alten Gasthaus erklärt übrigens nicht nur den verästelten Stammbaum – unter anderem haben sich Röhrls aus Eilsbrunn im 19. und 20. Jahrhundert als Brauer in Straubing und Frontenhausen, sowie als Gastwirte in Weltenburg niedergelassen. Mehrfach waren der Gasthof und seine wirklich antike Gaststube darüber hinaus schon Filmkulisse. Die früheren Fremdenzimmer über dem 1902 errichteten Saal haben Martha und Paul zu einem kleinen Museum umgebaut. Brauereiwerkzeuge, Küchengeräte, komplette Gästezimmer aus den verschiedensten Epochen – manches Heimatmuseum könnte da glatt neidisch werden. Ursprünglich war das nur als einmalige Sache für den Tag des offenen Denkmals gedacht, inzwischen führt der Paul die interessierten Gäste jederzeit durchs Haus, etwa wenn man sich zwischen Mittagessen und Kaffee die Füße vertreten möchte.