„Ein Dorf ohne Wirt wäre aus­ge­stor­ben“: Wei­ber­stamm­tisch bringt Schwung is Gast­haus Graf in Wett­zell

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Frieda, Johanna, Christa, Pauline und Christine (v. li.): Die heitere Damenrunde genießt die Abende im Wirtshaus. Es wird gut gegessen, Bier und Wein getrunken und der ein oder andere Witz erzählt. Nach anfänglicher Skepsis einzelner Stammtischbrüder, ist der gesellige „Weiberstammtisch“ mittlerweile sehr beliebt. (Foto: Manuela Lang)

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Wirt aus Leidenschaft: Ludwig Graf führt das Traditionswirtshaus seines Onkel weiter. (Foto: Manuela Lang)

Von Manuela Lang

Am Anfang war es für die Damen „schon komisch", ins Wirtshaus zu gehen. Das war vor über zehn Jahren, als einige von ihnen die Ehemänner verloren. „Im Grunde war das aber gleich vorbei, man kennt sich ja im Dorf. Und wenn einer einen blöden Kommentar abgegeben hat, dann haben wir eben blöd gekontert", erzählt Christa, die wie alle anderen den 60er schon hinter sich hat. „Jetzt setzen sich einige Männer vom Stammtisch sogar zu uns her, weil wir immer so eine Gaudi haben", lacht sie los. „Ihr Wirt", Ludwig Graf – den sie alle liebevoll auch „unser Luk" oder „bestes Stück" nennen – lässt gleich eine Runde Sekt zur Begrüßung springen, als sich die heitere Damenrunde an diesem Samstagabend im Wirtshaus einfindet.

Danach wird „schön gegessen", über Gott und die Welt geratscht und später auch Wein oder Bier getrunken. Witze haben die Damen auch auf Lager. „Aber das darf nicht in die Zeitung", schmunzelt Pauline und legt los. Johanna versteht ihn nicht, was aber nicht am Inhalt, sondern am Dialekt liegt. Die gebürtige Mönchengladbacherin zog vor 20 Jahren nach Wettzell bei Bad Kötzting, da ihr Mann leidenschaftlicher Jäger war. Er ist ebenfalls bereits verstorben, doch Johanna blieb hier. „Ich mag die Menschen und habe mich auch bemüht, dass sie mich mögen." In der heiteren Frauen-Wirtshausrunde ist sie schon von Anfang an mit dabei, denn wie die anderen will sie nicht nur daheim sitzen und fernsehen. Dorfgerede, dass es sich nicht schickt für eine Frau, ins Wirtshaus zu gehen, gibt es kaum mehr. „Und wenn, dann sollen die alle erstmal vor der eigenen Haustüre kehren. Wir gehen ja nicht auf Männerfang, sondern wollen uns nur ein paar schöne Stunden machen", wirft Christa ein.

„Ohne einen Wirt wäre ein Dorf ausgestorben", sind sich alle einig, „unseren Luk bringen wir schon durch", sagen sie und bestellen die nächste Runde. Ludwig Graf hat das Wirtshaus vor zwei Jahren von seinem Onkel übernommen, der keine Erben hatte. Er ist froh, dass er einerseits treue Stammkunden aus dem Dorf hat, andererseits aber auch Gäste aus dem Umland. „Ich habe den Vorteil, dass bei uns auch die Jugend noch ins Wirtshaus geht, zum Kartenspielen etwa", sagt der Wirt, der ebenfalls verfolgt, wie viele andere Wirtshäuser in der Region in den letzten Jahren zugesperrt haben.

Für den kleinen Ort mit rund 300 Einwohnern ist es nämlich keine Selbstverständlichkeit mehr, dass das Wirtshaus neben der Kirche noch ausschenkt und aufkocht. Und ganz in der Nähe, im Nachbarort Sackenried, gibt es sogar noch eine weitere Anlaufstelle. Der Gasthof Pongratz ist zwar nicht ganz so alt wie die bekannte Wallfahrtskirche nebenan, aber aus dem Ort ebensowenig wegzudenken – Ein urig-gemütliches Wirtshaus, in dem auf Anfrage noch typisch bayerisch gekocht wird. Ein Geheimtip für Urlaubsgäste und Einheimische zugleich.