Al­lein unter Män­nern: Vera Fi­scher ist Braue­rin und Mäl­ze­rin

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Vera Fischer mit Braumeister Werner Drexler im Sudhaus: Die 19-Jährige lernt die Kunst des Bierbrauens. (Foto: mic)

Vera Fischer hat sich in eine Männerdomäne gewagt. Nicht in irgendeine. Sie hat einen Beruf gewählt, der in Bayern eine lange Tradition hat. Aber auch die Zukunftsaussichten sind nicht schlecht, ist Vera überzeugt. Deshalb lernt sie seit gut einem Jahr in der Hofmarkbrauerei in Loifling das Brauer- und Mälzerhandwerk. Eigentlich wollte die 19-Jährige aus Neukirchen im Landkreis Straubing-Bogen nach dem Abitur studieren. Brauwesen und Getränketechnologie hatte sie sich ausgesucht. Ihr Traum: Irgendwann ein eigenes Wirtshaus führen. Aber statt an der Technischen Universität Bücher zu wälzen, überzeugten sie die Braumeister bei Hofmark, gleich im Sudhaus und an den Abfüllanlagen das Handwerk zu lernen. Inzwischen ist Vera im zweiten Ausbildungsjahr.

In-Beruf Brauer

Gegessen und getrunken wird immer. Das sagt nicht nur die Oma der angehenden Brauerin. Auch Braumeister Werner Drexler bestätigt: Der Beruf habe tatsächlich Zukunft. "Einem bayerischen Brauer steht im wahrsten Sinne des Wortes die Welt offen." Wer hier gelernt habe, sei in Australien genauso gefragt, wie in Schottland und den USA. Auch in Deutschland sind die gesucht, die den Beruf von der Pike auf gelernt haben. Davon gibt es nicht allzu viele. Bis vor zehn Jahren habe man kaum mehr junge Menschen für diesen Beruf begeistern können, erinnert sich Drexler. "Es ist kalt, laut und nass", beschreibt er die weniger schönen Seiten.

Doch das Image hat sich gewandelt. Vielleicht liegt's an der neu entdeckten Liebe zu Tracht und Volksfesten? Drexler zuckt mit den Achseln. "Momentan ist das jedenfalls ein In-Beruf", hat er festgestellt. Es gibt mehr Bewerber als freie Ausbildungsplätze. Das sei absolut untypische für die Lebensmittelbranche. Vielleicht habe die Entwicklung damit zu tun, dass sich das Brauer-Handwerk hin zur Industrie gewandelt hat, vermutet er. Vor ein paar Jahrzehnten sei alles noch ausschließlich Handarbeit gewesen. Der Brauer musste die Trebern aus dem Bottich klauben, die Bügelverschlüsse per Hand zuklappen und zum Reinigen in die Tanks "schlupfen". Heute reicht ein Knopfdruck. Viele Abläufe sind voll automatisiert. Maschinen übernehmen die schweren Arbeiten, die der Brauer überwacht. "Aber ganz weg vom Handwerk kommt man nicht", betont Drexler.

Nichts für Frauen?

Unter den Brauern ist Vera als Frau fast schon eine Exotin. In ihrer Berufsschulklasse sitzen mit ihr gerade einmal zwei andere Mädchen. Die restlichen 28 sind Männer. Auf der Suche nach einem Praktikumsplatz habe sie mehrere Absagen kassiert - weil sei eine Frau ist. "I glaub, Frau Fischer, dass Sie in der Branche nicht Fuß fassen werden", habe sie zu hören bekommen. Für Frauen sei das nichts. "Das hat mich schon getroffen", erzählt sie. "Ich seh' das komplett anders", betont Drexler. Mit der inzwischen sehr technischen Ausrichtung seien Frauen für den Beruf "eigentlich besser geeignet", findet der Braumeister. Seine Erfahrung sagt ihm, Männer hätten zwar die Muskeln, aber Frauen bringen ein "ausgezeichnetes Gefühl" für die Maschinen und die Technik mit.

Trotzdem gebe es Tätigkeiten in der Brauerei, die die Hobbyfußballerin an die Belastungsgrenze bringen. 50-Liter-Fässer mit je 65 Kilogramm auf Paletten zu heben zum Beispiel. Das sei schon anstrengend, gesteht sie. Aber mehr Probleme bereite ihr die Größe. Nicht alles sei auf den ersten Griff zu erreichen. "Aber dafür gibt's Bierkistl", sagt sie und lacht. "Ich finde immer einen Weg." Vera hat ihren Traumberuf gefunden. In der mittelständischen Brauerei ist sie auch noch recht nah dran am eigentlichen Produkt. "Ich verfolge das Bier vom Malzkorn bis zur Flasche", sagt sie. Ihren Freunden gefällt Veras Berufswahl im Übrigen auch. "Das passt zu dir", urteilten die einen. Und die anderen freuen sich. Denn die Getränke für die Party bringt jetzt immer Vera mit.

Be­rufs­por­trait Brau­er

>> Auch Tobias Gmeiner fasziniert die uralte Tradition des Bierbrauens. Er lernt im Landshuter Brauhaus den Beruf des Brauers und Mälzers. Welche Voraussetzungen er braucht und was ihm besonders gefällt, lesen Sie hier.