Der Krü­ge­samm­ler: Hans Fenzl hat über 8.000 alte Braue­rei-Trink­ge­fäße

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Über 8.000 alte Bierkrüge hat Hans Fenzl im Wirtshaus zum Krug im Landkreis Cham bereits gesammelt. (Foto: Tanja Fenzl)

Von Tanja Fenzl

Wer die Gaststube im Wirtshaus zum Krug in Geigant (Landkreis Cham) betritt, darf keine Angst haben, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt. Denn über den Köpfen an der Decke hängen tausende Krüge. Masskrüge, tönerne Brauereimasskrüge, sogenannte Keferloher, historisch allesamt – und Sammlerstücke.

Eine der größten derartigen Sammlungen überhaupt hat der Wirt Hans Fenzl in 32 Jahren zusammengetragen – ursprünglich „rein zu Dekorationszwecken", als das neue Gasthaus am alten Standort gebaut wurde. Der Hausname „Groua-Wirt" gab das Thema vor – der Krug-Wirt hieß schon zu Zeiten seines Schwiegervaters so. Inzwischen sind aus „ein, zwei Krügen auf den Hubbrettern an den Wänden" rund 8.000 geworden, 4.200 Literkrüge vornehmlich aus Niederbayern, Oberpfalz und München, 800 Oktoberfestzeltkrüge, der Rest Halbliterkrüge.

Wieso die Eingrenzung? „Auf irgendetwas muss man sich spezialisieren, schon rein platzmäßig", sagt Gastwirt und Obstbaum–unternehmer Fenzl. Die Wirtsstube samt Nebenzimmer, der Gang zu den Toiletten, das Treppenhaus – alles ist mit Regalen ausgekleidet, auf denen in dichten Reihen die tönernen Trinkgefäße stehen, die im ausgehenden 19. Jahrhundert von Brauereien zu Werbezwecken entdeckt wurden. Die findigen Brauer schenkten ihr Bier fortan bei Festen oder in eigenen Gasthäusern gerne in Krügen aus, die die Herkunft des Bieres preisgaben. Erst ritzten die Brauereien lediglich den Namenszug relativ primitiv mit Nägeln oder anderen spitzen Gegenständen vor dem Brennen in den Ton. Spätere Stücke sind schon aufwendiger gestaltet und plastisch modelliert oder kunstvoll bedruckt.

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Hans Fenzl besitzt eine der größten Brauerei-Maßkrug-Sammlungen. In der Gaststube im Wirtshaus zum Krug hängen tausende Krüge von der Decke. (Foto: Tanja Fenzl)

Auch heute noch stellen Brauereien eigene Krüge her. Ihnen wird nachgesagt, dass sich das Bier in ihnen länger frisch hält – Sammlerwert haben diese aber meistens kaum. „Außerdem gibt es inzwischen leider sehr viele Fälschungen von alten Krügen", sagt Fenzl, so dass vielen Sammlerfreunden ihr Hobby schon verleidet werde. Krüge, die bis zu 4.000 Euro und teurer gehandelt werden, sind auf einmal kaum mehr noch etwas wert, weil nachgemachte Stücke auftauchen. „Da kann man sich schon ärgern", sagt der 62-Jährige, der seine Sammlung noch immer erweitert. „Wenn du im Jahr zehn schöne Stücke bekommst, bist du zufrieden", sagt er. Das Schöne an dem Hobby sei: Immer wieder tauchten irgendwo seltene Krüge auf – auf Tauschtreffen, durch Sammlungsauflösungen, im Internet. Die Sammlerszene ist gut vernetzt – Fenzl hat Sammlerfreunde in ganz Bayern, Deutschland und Österreich, aber seine Kontakte reichen bis in die USA. „Da gibt es einen Verein mit ein paar tausend Mitgliedern."

Sein Herzensprojekt hat Fenzl inzwischen ebenfalls abgeschlossen: ein Kompendium mit allen bekannten historischen Brauereikrügen aus Niederbayern und der Oberpfalz. 40.000 Fotos lagern auf der Festplatte von Fenzls Computer – für weitere Bücher über Krüge aus anderen Bierregionen. Und auch die Sammlerleidenschaft ist ungebrochen: „Es gibt noch viele Krüge, die ich gerne hätte." Leider seien viele nicht verfügbar, weil sie zum Beispiel in anderen Sammlungen stehen. Ein Hobby, das kaum Zeit lässt für andere Interessen? Mitnichten. Fenzl ist außerdem noch leidenschaftlicher Schafkopfspieler, ehemaliger Deutscher, Europa- und Weltmeister. Aber irgendwie gehören Wirtshaus, Bierkrüge und Kartenspielen ja auch wieder zusammen.

Es gibt ver­schie­de­ne Arten von Braue­rei­krü­gen

Die historischen Krüge haben das Eichzeichen, ein kleines oder großes „L", einen Zentimeter unterhalb des Krugrandes angebracht. Weil inzwischen ein Eichzeichen vier Zentimeter unter Krugoberrand vorgeschrieben ist, darf in alten Krügen kein Bier mehr kostenpflichtig ausgeschenkt werden.

Ge­ritzt

Sie sind mit die ältesten – die Schrift ist in den Ton eingeritzt.

Plas­tisch

Sie sind dreidimensional modelliert.

Ge­mei­ßelt

Diese Krüger sind sehr selten.

Auf­ge­legt

Die Buchstaben sind auf den Ton gelegt und eingebrannt.

Be­druckt

Die ersten bedruckten Krüge tauchen ab etwa 1910 auf.

Far­big

Teilweise gibt es die Krüge auch kunstvollst bemalt.