Franz In­sel­kam­mer jr.: „Wir wol­len kein Wiesn-Mo­no­pol“

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Zwei Mal Franz Inselkammer: der Senior (80) und sein Sohn (32). Foto: (C) Sead Husic

Interview: Clemens Hagen

Zusammen mit seinem Vater leitet Franz Inselkammer jr. die Ayinger Brauerei südöstlich von München. Der 32-Jährige beklagt im Interview, dass es für Brauereien aus dem Münchner Umland noch immer keinen Zugang aufs Oktoberfest gibt.

Als Spross einer der be­kann­tes­ten und ein­fluss­reichs­ten Bierdy­nas­ti­en Bay­erns – wie wich­tig ist Tra­di­ti­on für Sie?

Franz Inselkammer jr.: Sehr wichtig natürlich. In Aying gibt es schon seit 630 Jahren eine Gaststätte. Unsere Familie führt diese jetzt in der siebten Generation, seit der Zeit zwischen 1812 und 1815 – so genau wissen wir das leider nicht.

Na­po­le­ons Zeit, Re­spekt! Dann spielt das Thema Hei­mat für Sie si­cher eine eben­so große Rolle, oder?

Wir definierien uns über unsere Heimat, auch wenn gerade der Münchner Raum aus Sicht eines Brauers schwierig ist.

In­wie­fern?

Zum einen ist da die Konkurrenz durch die Münchner Großbrauereien, zum anderen macht uns der eklatante Wirte- und Personalmangel in unserer Branche zu schaffen. Vor allem qualifizierte Köche sind schwer zu bekommen, was wohl vor allem an den langen Arbeitszeiten liegt.

Dabei un­ter­stützt die Ay­in­ger Pri­vat­braue­rei doch ihre Päch­ter, wo sie kann, oder?

Ja, das tun wir. Wenn jemand einen Ayinger-Gasthof übernimmt, bauen wir die Kühl- und Schankanlage ein und warten sie später auch. Das ist immerhin ein Investment, geht man von einer durchschnittlichen Gaststätte mit 60 Plätzen aus, von rund 10 000 Euro. Aber wenn wir vom Konzept überzeugt sind, dann richten wir auch durchaus mal die ganze Wirtschaft ein.

Wie viele Ay­in­ger-Gast­stät­ten gibt es denn?

Wir beliefern ungefähr 300 mit unserem Bier, davon gehört uns circa ein Dutzend.

Als ein­zi­ge Braue­rei aus dem Land­kreis Mün­chen – haben Sie keine Am­bi­tio­nen, Ihr Bier auch auf dem Ok­to­ber­fest zu ver­kau­fen?

Doch, die hätten wir durchaus. Wir richten ja auch genau wie andere Brauereien aus dem Umland, Müllerbräu aus Pfaffenhofen oder die Privatbrauerei Schweiger aus Markt Schwaben, jedes Jahr einen Appell an die Stadt, dass sie das Monopol der Münchner Brauereien aufheben möge.

Ohne Er­folg al­ler­dings.

Leider ja. Dabei war das früher ganz anders, da wurde auf der Wiesn durchaus auch Tölzer Bier verkauft.

Im Sinne der Viel­falt wäre ein Ende des Mo­no­pols gut.

Das sehen wir logischerweise ebenso, wir würden uns zum Beispiel über ein Zelt mit Umland-Bieren freuen.
Das würde die Münchner sicher auch freuen. Aber jetzt zu einem anderen Thema: Wie viel verkaufen Sie im Jahr?
Rund 80 000 Hektoliter Bier, insgesamt, also mit unserer Limonade Frucade und dem Mineralwasser Primaqua, sind es 120 000 Hektoliter.

Noch­mal zu­rück zum Thema Tra­di­ti­on: Haben Sie denn selbst schon für Nach­wuchs ge­sorgt, damit die Fa­mi­lie In­sel­kam­mer in Aying auch in die achte Ge­ne­ra­ti­on gehen kann?

(lacht) Nein, meine Frau Laura und ich sind erst seit einem halben Jahr verheiratet. Da haben wir noch etwas Zeit.