Der Herr der Krüge: Josef Berzl und sein Bier­krug­mu­se­um

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Sorgfältig arrangiert warten im Grafenwiesener Bierkrugmuseum tausende Steinkrüge auf Bewunderer. (Foto: Andrea Gmeinwieser)

Von Andrea Gmeinwieser

Grafenwiesen. Wenn es um das Thema Bier und die Frage „Woraus kann man dieses bayerische Kulturgut trinken?" geht, dann macht Josef Berzl aus der Schönbuchener Straße 40 so leicht wohl niemand etwas vor. Der schlanke Herr mit Brille, Jahrgang 1941 und geboren in Berghäuser, erlernte nach absolvierter Schulpflicht in der Sommerauer Brauerei Frisch den Beruf eines Brauers. Eine dreimonatige Ausbildung zum Mälzer bei der Mälzerei Michael Bauer, Dingolfing, schloss sich an. Die Berufswahl war ihm, wie er schmunzelnd berichtet, praktisch schon in die Wiege gelegt worden, weil seine Mutter „selbst noch Bier und Malzkaffee braute". Seinem Handwerk ging er dann zunächst in der Nürnberger Brauerei Humbser sowie ab 1962 in der Brauerei Schwaiger, Markt Schwaben, nach. Im Jahr 1968 schlug er den Weg in die Selbstständigkeit ein und betrieb zusammen mit seiner Frau Edeltraud im heimischen Anwesen 35 Jahre lang einen Getränkevertrieb.

Zahlreiche Lieferanten, vor allem Brauereien, aber auch Kunden, bedachten ihn zu verschiedenen Anlässen mit geschenkten Bierkrügen. Nachdem so schon erlesene Stücke und Raritäten zusammengekommen waren, trat das Ehepaar am 1. Juli 1987 dem Verein „Internationaler Brauerei-Souvenir-Sammelverband e.V." (IBV) bei und nahm fortan an diversen Messen und Tauschtreffen teil. Im Laufe der Zeit sammelten sich gut 2 500 Krüge und weit mehr als 3 000 Bierdeckel an, so dass sie sich entschlossen, die Räumlichkeiten des ehemaligen Getränkevertriebs in ein privates Museum umzufunktionieren.

Dieses öffnete im Juli 2012 seine Tore und begeistert seitdem unter anderem Besucher aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Tschechien. In zahlreichen Regalen warten – bestens sortiert und liebevoll präsentiert – Steinkrüge, historische Bügelflaschen, Weißbiergläser, Brauereischilder, Bierfassböden, Bierfilzl, Spielkarten, Schnupftabakgläser, Bierzapfgeräte und Brauereikalender auf Bewunderer.

Krüge mit 10/20, 3/10, 0,8 oder 0,9 und auch größeren Literzahlen, stammend vom Brauhaus Straubing oder vom Neumeyer Bräu, gibt es im Bierkrugmuseum ebenso zu betrachten, wie Krüge der ehemaligen Kötztinger Brauereien Anton Decker und Schmidt-Bräu oder der bis Ende der 1950-er Jahre existierenden örtlichen Schlossbrauerei Graßl. Überhaupt haben die Masskrüge schon viele – einige 100 oder mehr – Jahre auf dem Buckel. Hierzu zählen auch Glas-Krüge mit Zinndeckel, auf deren Boden eine Krone eingeprägt ist. Stolz ist der Museumsbetreiber auch auf einen Krug, den das „Original Münchner Kindl" ziert. Dieses hat nämlich, wie Gattin Edeltraud erklärt, ein Gebetbuch in der linken Hand.

„Der Markt wird schon seit geraumer Zeit mit Bierkrügen überschwemmt", schließt sich Josef Berzl den Ausführungen seiner Frau an und deshalb sei eine genaue Kenntnis der Thematik notwendig und auf sorgfältigste Auswahl zu achten. Beachtliche 100 Jahre alt ist der Krug mit dem Porträt des „Roten Barons". Ein sogenannter „Braut-Krug" wurde – verziert mit weißer Schleife und Myrthe – früher der Braut am Hochzeitstag gereicht.

„Bier gibt es jetzt an jeder Ecke, früher holte man es mit der Krugl von der Brauerei oder beim Wirt", weiß der leidenschaftliche Sammler ebenfalls zu berichten und hat selbstverständlich auch so eine „Krugl" parat. Als erste Brauerei habe das Münchner Hofbräuhaus um 1860 die Buchstaben „H+B" vorne am Krug groß einschleifen lassen. Aufgelegte, salzglasierte, geritzte und verschiedene Eichungen (am Griff oder vorne) aufweisende Krüge finden sich des Weiteren in den übersichtlich arrangierten Beständen.

Überhaupt wissen die beiden sympathischen Grafenwiesener praktisch zu jedem Ausstellungsstück eine Geschichte zu präsentieren und haben sich in mühevoller Kleinarbeit die aktuellsten Kenntnisse über das Brauwesen im deutschsprachigen Raum angeeignet. Damit „ja kein Krug doppelt vorhanden ist", wird jedes einzelne Stück in einem entsprechenden Buch dokumentiert.

Historische Brauereiartikel, wie Kupferminiaturen, eine Sudpfanne, ein Leiterbottich, ein Gärbottich, Bierkisten aus Holz und Blech mit 25 Flaschen, oder ein vom Kötztinger Schmidt-Bräu stammendes Fuhrfass dürfen Museumsbesucher ebenso bestaunen wie mehr als 3 000 Bierdeckel. Letztere gibt es, so Josef Berzl, seit 1893, während um 1716 der Filz unterm Krug Standard war.

Info

Das Bierkrugmuseum in der Schönbuchener Straße 40, Grafenwiesen, kann von April bis Oktober, jeweils dienstags bis samstags in der Zeit von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung (Tel. 09941/1586) besichtigt werden. Der Eintritt ins Museum ist frei.