Luit­pold Prinz von Bay­ern: Baye­ri­sches Bier für die Welt

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Luitpold Prinz von Bayern (Foto: KLB)

Interview von Clemens Hagen

>> Zur Person:

Luitpold Prinz von Bayern (64), Gründer der König-Ludwig-Schlossbrauerei in Kaltenberg und Chef der Königlichen Porzellan-Manufaktur Nymphenburg. Luitpold Prinz von Bayern ist sowohl von der Seite des Vaters als auch von der Seite der Mutter ein Urenkel des letzten Königs von Bayern, Ludwig III., da die beiden Großväter Brüder waren. Wohnsitze von Luitpold Prinz von Bayern sind Schloss Kaltenberg und Schloss Leutstetten.

Kö­nig­li­che Ho­heit, das Rein­heits­ge­bot ist eine Wit­tels­ba­cher Er­fin­dung. Wie sieht Ihre Bilanz nach 500 Jah­ren aus?

Luitpold Prinz von Bayern (64), Gründer der König Ludwig Schlossbrauerei in Kaltenberg und Chef der Königlichen Porzellan-Manufaktur Nymphenburg: Das Reinheitsgebot anzugreifen, wäre eine Idiotie. In anderen Ländern wird Melasse oder Hirse beigegeben, Algen für den Schaum, Formaldehyd gegen Trübung. Wir sollten Gott für das Reinheitsgebot und unser sauberes Bier danken.

Also Gers­te, Hop­fen und Was­ser – und sonst nichts?

Genau! Mit diesen Zutaten lassen sich so viele feine unterschiedliche Geschmäcker erzeugen. Wem das nicht reicht, für den gibt es ja auch Cocktails mit Bier wie das Radler oder Berliner Weiße mit Schuss. Aber meiner Meinung nach darf das Bier nicht zu einem Karnevalsgetränk verkommen. Wer Wein will, der möchte ja auch ein Traubengetränk, nichts anderes. Und wenn einer Bier mit Kaffeegeschmack will, dann sollte auf der Flasche eben Coffee Malt Brew stehen, nicht Bier. Der Verbraucher hat ein Recht auf Information.

Stich­wort Craft Beer: Was hal­ten Sie von die­sem Trend, der aus Ame­ri­ka kommt, aber in­zwi­schen auch bei uns immer po­pu­lä­rer wird?

In den USA gab es lange nur drei Großbrauereien, sonst nichts. Da ist es doch klar, dass die Leute irgendwann genug hatten von dem Einheitsbrei. Jetzt sind in den letzten 20 Jahren über 2000 Brauereien gegründet worden, und es gibt drüben einen Riesenboom, was Bierspezialitäten betrifft. Das ist schön, aber damit ist die Craft-Beer-Mode hierzulande gar nicht vergleichbar.

An­de­res Thema, Ihr Lieb­lings­the­ma: die Wiesn, auch wenn's noch ein bis­serl hin ist bis Sep­tem­ber 2016! Heuer lief es, was die Be­su­cher­zah­len be­trifft, nicht so gut.

Ich habe das Gefühl, das Oktoberfest verkommt langsam zu eine Art Ersatzkarneval. Die Wiesn wird austauschbar, es gibt weltweit Kopien, ob in Amerika oder China, sogar in Münster in Westfalen, wo ich heuer gewesen bin. Die hatten sie ein 5000-Mann-Bierzelt aufgebaut, die Besucher kamen in Tracht, wobei die Burschen ihre Hosenträger alle unten hatten, weil sie glaubten, dass es sich so gehört, und die Mädchen alle superkurze Minidirndl trugen.

Das dürf­te einem so stark mit der baye­ri­schen Tra­di­ti­on ver­wur­zel­ten Men­schen wie Ihnen ge­hö­rig gegen den Strich ge­gan­gen sein.

Ich finde die Rückbesinnung auf die Tracht eine schöne Sache, aber bitte nicht so! Wenn jemand als Deutscher zum Karneval nach Rio reist, dann trägt der auch kein Baströckchen.

Trotz­dem: Aus ge­schäft­li­cher Per­spek­ti­ve be­trach­tet, muss man doch sagen, dass die Wiesn-Ko­pi­en recht gut funk­tio­nie­ren.

Klar, die sind nicht nur günstiger, sondern vor allem komfortabler, was die Anreise betrifft.

Worin sehen Sie den Grund für das re­la­tiv ge­rin­ge In­ter­es­se an der Ori­gi­nal-Wiesn 2015?

Ich glaube, vor allem den Einheimischen ist der Rummel zu viel geworden. Zumal es in Bayern auch noch authentische Volksfeste gibt wie das das Straubinger Gäubodenfest oder das Rosenheimer Herbstfest.

Sie den­ken also, die Wiesn be­geht lang­sam Sui­zid durch Er­folg?

So kann man das durchaus sagen. Es geht nur noch um Gewinnmaximierung in möglichst kurzer Zeit auf möglichst kleinem Raum. Aber das ist der Weg, den die Stadt München eingeschlagen hat.

An­de­re Frage: Wo wol­len Sie hin mit Ihrer ei­ge­nen Marke, der König-Lud­wig-Schloss­braue­rei?

Meiner Meinung nach hat es die ganze Welt verdient, gutes bayerisches Bier zu trinken. Wir möchten mit unserer Brauerei harmonisch wachsen. Man muss das Management-mäßig gut machen, was wir immer wieder geschafft haben. Beim Expandieren darf man nie vergessen, dass Bier eine leicht verderbliche Ware ist, aber unbedingt frisch sein muss. Es bringt also nichts, das Bier über den Äquator zu schippern, man muss es vor Ort nachproduzieren.

Wo sehen Sie die größ­ten Er­folgschan­cen?

In Osteuropa sind wir bereits in vielen Ländern vertreten. Interessant ist der asiatische Markt.

Zu guter Letzt: Wie wer­den Sie 500 Jahre Rein­heits­ge­bot fei­ern?

Am Tag des Reinheitsgebots, am 23. April, werden wir in Kaltenberg ordentlich feiern – und zwar bayerisch! Mit Trachtenvereinen, einem Gedenkgottesdienst und vielen Überraschungen.