Das baye­ri­sche Rein­heits­ge­bot von 1516

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„Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen."

Das Reinheitsgebot von 1516 gilt als das älteste heute noch gültige Lebensmittelgesetz der Welt. Und es dient seit 500 Jahren vor allem dem Verbraucherschutz. Im Mittelalter wurden die abenteuerlichsten Zutaten ins Bier gemischt, Stechapfel, Binsenkraut, Tollkirschen,Wurzeln oder auch Ruß und Pech sollten das Aussehen, den Geschmack und die berauschende Wirkung verstärken. Vergiftungen, auch tödliche, blieben bei dieser Panscherei nicht aus.

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Die erste Seite der Originalurkunde des Reinheitsgebotes von 1516. (Quelle: DBB)

Die Verkündung der heute als Reinheitsgebot bekannten Verordnung erfolgte nicht aus heiterem Himmel. Sie stellte vielmehr den Höhepunkt einer Jahrzehnte dauernden Entwicklung dar. Dabei ging es den Obrigkeiten und Instanzen darum, durch Verordnungen die Qualität des Bieres, damals ein Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung, zu verbessern. Am Georgitag 1516, dem 23. April, erließen die gemeinsam regierenden Herzöge Wilhelm IV. und dessen jüngerer Bruder Ludwig X. auf dem Landständetag in Ingolstadt ein Gesetz, das sich bis heute auf die deutsche Braukunst auswirkt.

Das „Bayerische Reinheitsgebot von 1516" legte fest, dass ausschließlich Gerste, Hopfen und Wasser zum Brauen von Bier verwendet werden darf. Und es schrieb auch die Bierpreise fest. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Text mehrfach verändert. Aus Gerste, was heute als Rohfrucht bezeichnet werden würde, wurde Gerstenmalz, später Malz. Warum eigentlich Gerste? In Zeiten der Nahrungsmittelknappheit sollte das Gesetz dafür sorgen, dass der Weizen zur Herstellung von Brot reserviert wurde.

Die Hefe wurde im übrigen erst im 19. Jahrhundert in die Verordnung aufgenommen. Im Mittelalter kannte man die genaue Wirkungsweise der Hefe nicht, die Gärung des Bieres wurde - meist beim Backen von Brot - durch in der Luft reichlich vorhandenen Hefezellen in Gang gebracht. Der Verlauf der Gärung war damals also noch ein Zufallsprodukt, wilde Hefen ließen das Bier ungenießbar werden. Und so entstand der Spruch: „Da sind Hopfen und Malz verloren".